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12. Juli 2023
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„Stabile Preise bleiben bei Burmeier das höchste Ziel“

Geschäftsführer Reiner Rekemeier erläutert, warum Preissenkungen im Pflegebetten-Bereich noch nicht möglich sind

Deutschland ist noch immer fest im Griff der Inflation. Im Juni 2023 ist sie sogar erneut auf 6,4 Prozent gestiegen. Dieser Wert addiert sich auf die bereits hohen Zahlen der Vorjahre. Daher ist es verständlich, dass die Hoffnung auf ein baldiges Sinken der Preise immer drängender wird. Doch aufseiten der Industrie lässt sich diese Hoffnung in vielen Bereichen noch nicht erfüllen. Reiner Rekemeier, Geschäftsführer von Burmeier, analysiert die Situation bei Betten und Möbeln für die häusliche Pflege und gibt einen Ausblick in die Zukunft.

Herr Rekemeier, was beeinflusst die Preise für Hilfsmittel?

Wir müssen hier stark differenzieren: Ein Pflegebett ist kein Rollator. Grundsätzlich hat jeder Hersteller seine eigene Wertschöpfungskette und jedes Produkt seine eigene Kostenstruktur. Daher ist es wichtig, jede Produktgruppe einzeln zu betrachten, um nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Der verwendete Materialmix und die Kosten für Fertigung, Lagerhaltung und Logistik sind sehr unterschiedlich.

Haben Sie ein Beispiel?

Schauen Sie sich etwa in der häuslichen Pflege die Preissteigerungen im Sanitätshausbereich an. Toilettenstühle sind in der Krise um 45 Prozent teurer geworden, Toilettensitzerhöhungen sogar um bis zu 75 Prozent. Im Vergleich dazu ist die Summe der Preiserhöhungen bei Pflegebetten mit durchschnittlich 18 Prozent deutlich moderater ausgefallen.

Worin liegt der Unterschied zwischen Pflegebetten und Reha-Standard-Artikeln?

Hersteller von Reha-Standard-Artikeln wie Rollatoren, Rollstühlen oder Bad- und Hygiene-Hilfsmitteln beziehen Ihre Ware überwiegend aus Fremdfertigung in Asien und haben damit eine vollkommen andere Kostenstruktur. Aufgrund des geringen Produktwertes bestimmen hier oft die Frachtkosten die Preisgestaltung.

Warum senken Hersteller im Reha-Standard-Bereich jetzt vereinzelt die Preise?

Weil sie vor allem durch die stark gefallenen Container-Frachten von Asien nach Europa theoretisch die Möglichkeit dazu haben. Es gibt auch wieder genügend freie Container-Kapazitäten auf diesen Routen, sodass die kostentreibende Bevorratung von Ware in Europa nicht mehr im gleichen Umfang nötig ist. Bei Matratzen hat sich anscheinend der Engpass der verwendeten Chemikalien zumindest teilweise aufgelöst. Insgesamt ist die Entwicklung sehr individuell.

Was bedeutet das für die Kostensituation bei Burmeier?

Leider profitieren wir so gut wie gar nicht von diesen entlastenden Faktoren. Burmeier fertigt in eigenen Werken in Europa und setzt nur wenige Materialien aus Asien ein. Dies hat uns in den Jahren 2021 und 2022 vor den erwähnten immensen Preiserhöhungen der Reha-Standard-Artikel bewahrt. Wir waren im Gegensatz zu anderen Herstellern während der Corona-Pandemie auch immer lieferfähig. Viele Vorteile für unsere Kunden also, die aber im Moment nicht zu einer preislichen Entspannung beitragen.

Seit 2022 wird in Deutschland sehr emotional über steigende Energiekosten diskutiert. Betrifft dieses Thema auch Burmeier?

Das betrifft uns sehr – und nicht nur in Deutschland. Auch in unserem Nachbarland Polen sind die Strompreise stark gestiegen. Bei der Produktion unserer Pflegebetten spielt unser Werk Kepno in Südpolen eine wichtige Rolle. Der aktuelle Strompreis liegt dort noch immer bei mehr als 250 Prozent des Wertes von 2021.  

Wann senkt Burmeier die Preise?

Wir beobachten die Preisentwicklungen weiter sehr intensiv. Leider bewegen wir uns trotz leichter Rückgänge der Rohstoffpreise noch immer bei über 40 Prozent höheren Herstellungskosten als vor der Pandemie.

Gleichzeitig sind seit der letzten Preisanpassung die Kosten für Holz und Elektrokomponenten nicht gesunken. Der Mangel an Halbleitern und Chips und die konstant hohen Preise für die enthaltenen Materialien Kupfer und Kunststoff werden weiter von der Automobilindustrie getrieben. Eine Entspannung ist auch angesichts der Pläne für die Energiewende nicht zu erwarten.

Die Entwicklung des allgemeinen Lohnniveaus in ganz Europa belastet die Produktionskosten nachhaltig. Für die Jahre 2020 bis 2024 hat z. B. die polnische Regierung die schrittweise Erhöhung des Mindestlohns um insgesamt 65 Prozent gesetzlich festgelegt.

Wir rechnen daher frühestens 2024 mit einer leichten Entspannung der Gesamtkosten, die es uns ermöglichen wird, die Preise zu reduzieren. Bis dahin bleiben Preisstabilität und Lieferfähigkeit unsere obersten Ziele.

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