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14. März 2024
// Pflege weltweit

Wie funktioniert die Pflege in Österreich?

Alexander Zambo, Geschäftsführer unseres Partners ZS Medizintechnik, beschreibt das System der Alpenrepublik

Wird in Deutschland über Pflege und Gesundheit diskutiert, geht es zumeist um Auswege aus der Krise und die Vor- und Nachteile von Reformen. Doch wie sieht es in anderen Ländern aus? Haben sie gute Konzepte, die international als Vorbild dienen können? Wir sprachen mit Alexander Zambo, dem Geschäftsführer von ZS Medizintechnik in Österreich. Das aufstrebende Unternehmen aus dem Burgenland vertreibt mit großem Erfolg Krankenhaus- und Homecare-Betten von Stiegelmeyer und Burmeier in Österreich und Südosteuropa.

Wie wird die Pflege in Österreich bezahlt?

Das Pflegewesen in Österreich ist Teil des Sozialsystems und unterscheidet sich vom deutschen System vor allem dadurch, dass es keine persönlich konsumierbaren Sachleistungen gibt. Stattdessen ist das Pflegegeld eine reine Geldleistung. Es wird dem Bewohner zwölfmal jährlich ausgezahlt. Daneben gibt es Zuschüsse zu definierten Leistungen. Sachleistungen kommen in Österreich nur indirekt zum Einsatz, indem z. B. der Bau von Pflegeheimen aus Steuermitteln finanziert werden kann, diese Kosten aber nicht auf die Kosten für einen Pflegeheimplatz aufgeschlagen werden.

Wie holt der Staat die Mittel für das Pflegegeld ein?

Über Steuern und Sozialabgaben auf die Löhne.

Nehmen wir ein konkretes Beispiel: Eine 80-jährige Frau stürzt und benötigt nach der Entlassung aus dem Krankenhaus zuhause pflegerische Unterstützung. Wie gehen sie oder ihre Angehörigen vor?

Sie beantragen Pflegegeld bei der zuständigen Sozialversicherung. Daraufhin findet eine Bewertung statt. Um überhaupt Pflegegeld zu erhalten, muss der monatliche Betreuungsaufwand über 65 Stunden liegen. Wenn man das nachweisen kann, wird man in eine von sieben Pflegegeldstufen eingeordnet. Zurzeit gibt es für Pflegestufe 1 (65 bis 95 Stunden) monatlich 192 Euro und für Pflegestufe 7 (über 180 Stunden, keine zielgerichteten Bewegungen möglich) 2.061,80 Euro. Man sieht an diesen Beträgen: Das Pflegegeld ist keine Vollversorgung, sondern ein Zuschuss. Von den Betroffenen wird zumeist erwartet, dass sie einen Großteil ihrer Kosten selbst tragen.

Wie wird der Pflegebedarf der Betroffenen bewertet?

Zuerst durch eine Begutachtung ihres Arztes. Der Arzt schreibt eine Bewertung, die man mit dem Pflegegeld-Antrag bei der Sozialversicherung einreicht. Dort prüfen Beamte den Antrag, in der Regel vom Schreibtisch aus. Lehnen sie den Antrag ab, kann der Arzt eine neue Bewertung erstellen. Es kommt durchaus vor, dass Anträge mehrfach abgelehnt werden. In einem solchen Fall kommen die Sachverständigen von der Versicherung auch persönlich vorbei, um sich ein Bild zu machen.

Wer zahlt, wenn die Pflege zuhause nicht mehr ausreicht und der Betroffene in ein Pflegeheim umziehen muss?

Zur Finanzierung eines Heimplatzes werden das Pflegegeld sowie das Einkommen oder die Rente des Bewohners herangezogen. Reicht das nicht aus, muss er die Differenz aus seinem sonstigen Vermögen selbst bezahlen. Ist kein Vermögen vorhanden, gibt es einen Zuschuss nach dem Sozialhilfe- und Mindestsicherungsgesetz. Kinder werden zur Finanzierung der Heimkosten ihrer Eltern nicht herangezogen. Insgesamt gibt es in Österreich rund 900 Pflegeheime.

Kehren wir noch einmal zur häuslichen Pflege zurück: Welche Betreuungsangebote gibt es in Österreich?

Da gibt es zunächst informelle Pflege durch Angehörige sowie Betreuung durch Personal aus dem In- und Ausland. Dann gibt es wie in Deutschland mobile Dienste: Hauskrankenpflege, Familienhilfe, Essen auf Rädern, Besuchs- und Beratungsdienste. Es gibt die Tagespflege, in der man tagsüber versorgt und abends wieder nach Hause gebracht wird. Und es gibt das Betreute Wohnen inklusive alternativer Wohnformen. In Wien können z. B. junge Menschen, die sich kein eigenes Zimmer leisten können, zu alten Menschen in die Wohnung ziehen. Sie erhalten dort eine vergünstigte Unterkunft und gehen den Pflegebedürftigen bei den täglichen Aufgaben zur Hand.

Wie sieht die Versorgung mit Pflegebetten aus? Müssen die Bewohner im österreichischen Geldleistungssystem die Anschaffung eines Bettes mit ihrem Pflegegeld selbst bezahlen?

Im Prinzip ja, allerdings gibt es hier Unterschiede zwischen den Bundesländern. Zwei Länder zahlen Zuschüsse zur Bettenmiete, und in Wien übernimmt unter bestimmten Umständen die Krankenkasse die Miete.

Wo bekommt man die Betten?

Im Sanitätsfachhandel, genau wie in Deutschland. Und auch in Österreich kann man Pflegebetten dort entweder mieten oder kaufen. Interessanterweise ist die Bereitschaft zum Kauf eines hochwertigen Bettes in Österreich prozentual gesehen höher als in Deutschland. Das zeigt sich in unserer Statistik etwa am starken Abschneiden des wohnlichen Burmeier-Pflegebettes Regia. Dieser hohe Anteil selbstgekaufter Betten führt zugleich zu einem großen Markt für gebrauchte Betten.

Österreich wird in Deutschland oft als soziales Vorbild genannt, vor allem im Hinblick auf die höheren Renten. Funktioniert auch das Pflegesystem besser als das deutsche?

Das Grundproblem ist gleich: Es gibt hier einen ebenso eklatanten Mangel an Pflegekräften wie in Deutschland. Im Burgenland können sich pflegende Angehörige sogar vom Land anstellen lassen, erhalten einen Lohn von 1.200 bis 2.000 Euro netto und sind sozialversichert. Voraussetzung ist, dass der Pflegebedürftige zwischen Pflegestufe 3 und Stufe 7 eingruppiert ist. Dieses Angebot wird gern angenommen, reicht aber immer noch nicht, um den Pflegekräftemangel auszugleichen. Es gibt in Österreich im Gegensatz zu Deutschland jedoch keine Insolvenzwelle bei Pflegeheimen und Krankenhäusern, es werden sogar im Gegenteil gerade viele neue, oft besonders schöne Häuser gebaut. Dennoch ist es schwierig, Personal zu finden. Im Krankenhausbereich führt die Personalknappheit zur temporären Schließung von Stationen – hier in Oberwart war etwa am Wochenende wegen des hohen Krankenstands die Geburtsstation geschlossen.

ZS Medizintechnik betreut mit den Betten von Stiegelmeyer und Burmeier auch viele Nachbarländer Österreichs. Wie sieht dort die Situation im Pflege- und Gesundheitsbereich aus?

Unsere Nachbarländer sind allesamt große Wachstumsmärkte. In Slowenien entwickelt sich die Situation in der häuslichen Pflege so positiv, dass wir uns in diesem Jahr mit dem Regia von Burmeier Erfolg im Premiumsegment versprechen. In Kroatien und Rumänien entstehen mithilfe der EU gerade viele neue Kliniken. Auch Serbien, das noch kein EU-Mitglied ist, erhält Fördergelder. Stiegelmeyer ist in den osteuropäischen Ländern schon lange eine bekannte Marke, weil in den 1990er-Jahren viele ältere Betten aus Deutschland gekauft oder als Spenden empfangen wurden, die sich dann sehr bewährt haben. Für uns sind das beste Voraussetzungen.

Vielen Dank für das interessante Gespräch!

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