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21. Juni 2023
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Standfest in eine große Zukunft

Die Erfindung eines entscheidenden technischen Details bescherte Stiegelmeyer vor fast 90 Jahren den Durchbruch als Krankenhausbetten-Hersteller

Wenn jemand voll durchstarten möchte, drückt er normalerweise aufs Tempo. Der große Durchbruch der Firma Stiegelmeyer zum führenden Produzenten von Krankenhausbetten begann hingegen mit einem kräftigen Bremstritt. Die fast 90 Jahre alte Geschichte macht sehr schön deutlich, über welch lange Zeiträume und mit wie hochkarätiger Inspiration die Stiegelmeyer-Gruppe ihr heutiges Know-how aufbauen konnte. Daher eröffnet sie unsere neue Serie über die Werte unseres Unternehmens mit dem Wert „Erfahren“.

Als sich im Jahr 1935 die Berliner Charité mit einer Bitte an Stiegelmeyer wandte, hatte die Herforder Firma im Krankenhausbereich schon einige Erfahrung. Bereits um 1910 waren erste Krankenhausbetten von Stiegelmeyer auf den Markt gekommen: Doppelstockbetten für große Schlafsäle sowie Metallbetten auf Rollen – das fahrbare „Kaiserbett“ aus jener Zeit ist noch heute in unserer Ausstellung in Herford zu sehen.

Doch wie die Stiegelmeyer-Chronik berichtet, blieb der Gesundheitsbereich bis in die 1930er-Jahre nur einer von vielen. Der Schwerpunkt des Unternehmens nach lag wie vor auf so genannten „Stahldrahtmatratzen“: komfortabel gefederten Lattenrosten, mit denen Stiegelmeyer sofort nach seiner Gründung im Jahr 1900 große Erfolge bei privaten Kunden gefeiert hatte. Hinzu kamen Metall- und Holzbetten für den Möbelhandel. Unsere Katalogbilder aus den 1930er-Jahren zeigen elegante Schlafzimmereinrichtungen im Art-Déco-Stil, die noch heute in vielen Wohnungen gut aussehen würden.

Die Charité, das berühmte Berliner Krankenhaus, interessierte sich 1935 hingegen nicht für Design, sondern für eine wichtige technische Fragestellung. Wie gesagt gab es damals bereits Betten auf Rollen, doch die hatten ein Problem: Sie ließen sich offenbar nicht gut bremsen. Ein fester Stand ist aber gerade beim Aufstehen und Hinlegen sehr wichtig. Zwar hatten Metallbetten schon damals ein Eigengewicht von über 100 Kilogramm, das Risiko des Wegrollens wurde dadurch aber nicht gebannt.

Der Verwaltungsdirektor der Charité bat daher um Vorschläge für ein Krankenhausbett mit einem Bremsmechanismus, der sich bequem mit dem Fuß bedienen lassen sollte. Vorgesehen war das Bett für die Station des weltbekannten Chirurgen Ferdinand Sauerbruch (1875-1951).

Stiegelmeyer erfüllte diesen Wunsch sofort mit der „Verchromten Krankenbettstelle Nr. 5350“. Der spröde Name hielt den Siegeszug dieses Modells nicht auf: Laut Chronik wurde es zu einem jahrzehntelangen internationalen Klassiker. Der Erfolg der Nr. 5350 setzte Stiegelmeyer auf die Spur in die Gegenwart. Er führte in Herford zur Einrichtung einer eigenen „Krankenmöbel-Abteilung“, die sich ab sofort hauptamtlich mit technischen Entwicklungen für das Gesundheitswesen beschäftigte.

Das Bett selbst ist leider nicht erhalten, doch zum Glück gibt es in unserem Archiv zwei Exemplare eines Gesamtkatalogs von 1937, der das Modell und das übrige Krankenhaus-Sortiment gut dokumentiert. Das Bett, stolz angepriesen als „Sondermodell der Charité“,  konnte optional mit Messing- oder Stahlrohr geordert werden. Es war 100 cm breit, 106 kg schwer und hatte eine aufstehfreundliche Liegeflächenhöhe von 55 cm. Die Liegefläche selbst hatten die Konstrukteure natürlich mit Stiegelmeyer-Stahldrahtfedern ausgestattet, die Rückenlehne war verstellbar.

Die technische Innovation des Bettes war die paarweise Bremsung der fußseitigen Rollen mithilfe einer Stange mit Tritt-Lasche. Aus dem Füllbrett des Fußteils ließ sich ein praktisches Schreibpult herausklappen. Die Zeichnung im Katalog zeigt zudem als Zubehör einen bettüberspannenden Aufrichter, der dem Patienten die bequeme Positionierung im Bett erleichterte.

Blättert man durch den Katalog von 1937, hat man teils das Gefühl, den Ururur-Prototypen aktueller Produkte zu begegnen, vom Server bis zum Transportstuhl. Mit der Fokussierung auf den Krankenhausbereich ging damals offenbar sofort ein Ausbruch von Innovation und Modernität einher, der uns bis heute anspornt.

Doch die „Erfahrung“, um die es zum Auftakt unserer Serie geht, braucht auch Zeit und Sorgfalt – darauf haben die Konstrukteurinnen und Konstrukteure bei Stiegelmeyer immer geachtet. Ein interessantes Beispiel sind höhenverstellbare Liegeflächen. Dieses entscheidende Merkmal moderner Krankenhausbetten hätte man eigentlich rasch nach der Erfindung der Bremsbarkeit erwartet, tatsächlich war die weltweite technische Entwicklung aber erst 30 Jahre später reif dafür: 1966 präsentierte Stiegelmeyer sowohl mechanisch als auch elektrisch verstellbare Liegeflächen. Noch 1959 hatte unsere Kundenzeitschrift stattdessen gefragt, welche feste Lagerhöhe die Kunden denn wünschten – überwältigend deutliches Ergebnis: 55 cm.

Der intensive Austausch mit unseren Kunden und Partnern, das Erfüllen von Wünschen und Anforderungen, wacher Innovationsgeist und hohes Qualitätsbewusstsein prägen die Stiegelmeyer-Gruppe seit fast 125 Jahren. „Erfahren“ – das sind wir.

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