10. Oktober 2019
// Pflege weltweit

So wird Pflege in den Niederlanden organisiert

Duco Engelage, Geschäftsführer von Stiegelmeyer BV, über das Gesundheitswesen in unserem Nachbarland

Die Niederlande gelten in Deutschland in vielen gesellschaftlichen Bereichen als Vorbild – auch in der Pflege. Sucht man im Internet nach Berichten, findet man lobende Artikel, z. B. über nachbarschaftliches Engagement in der häuslichen Pflege. Doch wie blicken die Niederländer selbst auf ihr Gesundheits- und Pflegesystem? Wir haben Duco Engelage gefragt, den Geschäftsführer unserer niederländischen Tochtergesellschaft Stiegelmeyer BV.

Herr Engelage malt ein differenziertes Bild mit Licht und Schatten. „In den Niederländen gibt es wie in Deutschland einen Pflegekräftemangel, uns fehlen in diesem Bereich 55.000 Menschen“, erklärt er. Als Folge wird die Verweildauer von Patienten und Bewohnern in stationären Einrichtungen immer kürzer. In den Krankenhäusern liege sie nur noch bei 2,3 Tagen. In ein Heim zögen Senioren zumeist erst als Schwerstpflegefälle.

Bleibt die Frage: Wo werden die vielen Menschen gepflegt, die nicht zu diesen am akutesten betroffenen Gruppen gehören? Für die Nachversorgung von Krankenhauspatienten bieten sich z. B. Pflegehotels („Zorghotels“) an. Hier erhalten die Menschen Unterstützung, allerdings keine Reha-Maßnahmen. In der häuslichen Pflege kümmern sich Angehörige und Nachbarn sowie mobile Pflegedienste.

Die Finanzierung liegt in den Händen der Pflegeversicherung, privater Zusatzversicherungen und der Gemeinden, die in der Organisation der Pflege eine zentrale Rolle spielen. Gemeindevertreter ermitteln in sogenannten „Küchentischgesprächen“ den Grad der Pflegestufe und entscheiden auch über den Einsatz von öffentlichen Budgets, die der Staat in den vergangenen Jahren um 30 % gesenkt habe, so Herr Engelage. Zudem müsse die Pflegeversicherung für noch schwerere Zeiten einen großen Puffer an Mitteln einbehalten.

Wer nicht durch Verwandte, Freunde und Nachbarn betreut werde, drohe in diesem System lange unbemerkt zu bleiben und zu verwahrlosen, kritisiert Duco Engelage. Er verweist auf psychisch kranke Menschen, die mehr und mehr von Obdachlosigkeit bedroht seien – wie auch in Deutschland. Auch sei die Qualität der Pflege von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich.

Positiv bewertet Herr Engelage die Bemühungen der großen Unikliniken im Land um eine bessere Hygiene. Maschinenwaschbare Betten seien dort Standard. Für Stiegelmeyer mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung in automatischer Aufbereitung und hochmodernen Betten wie Evario und Puro bieten sich hier interessante Partnerschaften an. Der Kampf gegen Krankenhauskeime sei in den Niederlanden besonders wichtig, erklärt Duco Engelage. Durch die großen Viehzuchtbetriebe in dem dicht besiedelten Land mit ihrem intensiven Einsatz von Antibiotika ist das Kontaktrisiko mit resistenten Keimen bereits im Alltag hoch. Eine Ausbreitung im Krankenhaus muss daher mit verstärkten Anstrengungen vermieden werden.

Im Pflegebereich überzeugt Stiegelmeyer zurzeit die niederländischen Kunden mit dem neuen Vario-Safe-System für Pflegebetten. Vor allem die werkzeuglos montierbare geteilte Seitensicherung findet große Zustimmung. Mit ihrer Hilfe lassen sich je nach eingesetztem Element ein normgerechter Schutz oder eine Orientierungs- und Mobilisierungshilfe am Bett anbringen. Dadurch erhalten die Häuser im Alltag Flexibilität und Rechtssicherheit.

Die Organisation eines guten Gesundheits- und Pflegewesens ist immer eine gewaltige Aufgabe – in den Niederlanden so wie überall. Stiegelmeyer hat sich dabei als verlässlicher Partner bewährt. „Unsere größte Stärke ist unsere Qualität“, sagt Duco Engelage. Viele Stiegelmeyer-Betten in den Niederlanden seien seit Jahrzehnten im Einsatz und funktionierten dank der jährlichen Wartung und Prüfung durch Stiegelmeyer BV noch immer wie am ersten Tag. Darauf lässt sich für eine gute Zukunft aufbauen.

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