29. Oktober 2019
// Reportagen & Berichte

Mit bunter Lebensfreude gegen den Brustkrebs

Nadja Will unterstützt Frauen mit dem „Think Pink Club®

Nadja Will sprüht schon vormittags vor Energie. Die junge Frau sitzt bei Stiegelmeyer im Konferenzraum und erzählt begeistert von den Aktivitäten ihres „Think Pink Clubs®“: Talkrunden, Kanufahren, Tanz, Yoga, Partys. Beträte man zufällig mitten im Gespräch den Raum, könnte man glauben, hier ginge es um ein cooles Lifestyle-Projekt sorgloser junger Menschen. Doch tatsächlich verfolgen Nadja Will und ihre Mitstreiterinnen mit „Think Pink“ ein wichtiges Anliegen: Sie möchten Frauen über Brustkrebs informieren und erkrankten Frauen helfen, in einer lebensfrohen Gemeinschaft wieder Mut und Kraft zu schöpfen.

Frau Will arbeitet in Herford als Krankenschwester für Anästhesie und kennt sich in Fragen der medizinischen Versorgung sehr gut aus. Als sie mit Mitte 30 eine verdächtige Stelle in ihrer Brust ertastete, zögerte sie dennoch, zu ihrer Frauenärztin zu gehen. Als sie es schließlich wagte, nahm die Ärztin ihren Verdacht zunächst gar nicht ernst. Wertvolle Wochen waren verstrichen, als die Diagnose feststand: ein besonders aggressiver Tumor, zweieinhalb Zentimeter groß. Es folgte eine Behandlung mit 16 Chemotherapien, bei der die junge Familienmutter an die Grenzen des Ertragbaren geriet. Am Ende besiegte sie die Krankheit.

Verlust der Persönlichkeit

Neben der Todesangst und dem körperlichen Elend litt Nadja Will unter dem radikalen Verlust ihres vertrauten Lebens: „Man bekommt diese Diagnose und alles ist weg – die Berufsalltag, das soziale Leben, die eigene Persönlichkeit. Gerade war ich noch Nadja Will, jetzt war ich die Krebskranke. Niemand wusste, wie er mit mir über das Thema sprechen sollte, weil es so angstbesetzt ist.“

Wohin sie sich auch wandte, war es schwierig, lebensbejahende Kommunikation zu finden. Info-Flyer und Broschüren waren „trocken und trostlos“. Wenn es um konkrete Unterstützung ging, zum Beispiel eine Hilfe im Haushalt, empfand sie die Verhandlungen mit der Krankenkasse als gnadenlos bürokratisch. „Ich habe mich so nach einer Perspektive zum Leben hin gesehnt“, sagt sie.

„Ladies Talk“ und Kanufahren

Genau die soll die Plattform „Think Pink“ bieten. Es geht um Prävention, Therapiebegleitung sowie Unterstützung während der Reha. Jede und jeder ist willkommen, Menschen mit anderen Krebsarten ebenso wie ratsuchende Angehörige.

Ein wichtiges Angebot ist der „Ladies Talk for Life®“, der regelmäßig im Herforder Denkwerk und in Bielefeld im Restaurant Allegro Habichtshöhe stattfindet. Das lebenslustige Treffen will das Gegenteil eines tristen Selbsthilfe-Stuhlkreises sein: „Stärke, Mut und Zuversicht modern und lebendig vermitteln“ lautet das Motto der Talkrunden. Daneben treffen sich die Frauen zum „Paddel-Training for Pink“ im Herforder Kanu Klub, besuchen gemeinsam Frauenflohmärkte oder gehen zum Partner-Workshop mit Pferden.

„Es ist wichtig, dass man Ziele hat“, sagt Nadja Will. Sie erzählt die Geschichte einer Teilnehmerin, der es nach einem Rückfall sehr schlecht ging. Doch sie wollte das Krankenhaus unbedingt für wenige Stunden verlassen, um zuhause den Geburtstag ihres Sohnes mitzufeiern. Frau Will und ihre Mitstreiter machten das möglich und beobachteten sofort eine positive Veränderung: Die Frau aß wieder und lief selbstständig durch die Station. Am Tag des Festes war die Freude riesengroß.

Brustkrebs frühzeitig entdecken

Ebenso wichtig wie die Unterstützung während der Krankheit sind Prävention und rechtzeitige Diagnose. „Niemand braucht heute mehr an Brustkrebs zu sterben, wenn er früh entdeckt wird“, sagt Nadja Will. Daher kann man sie zu einem MammaCare®-Kursus buchen, bei der eine bis vier Frauen lernen, ihre Brüste selbst zu untersuchen. „Im Alltag machen wir Frauen vieles am liebsten gemeinsam“, sagt Frau Will. Auch die Brustabtastung sei in der Gruppe oft einfacher, weil man in seiner Angst und Unsicherheit sofort aufgefangen werde. Buchen kann man Frau Will auch für Vorträge, eine Fotoausstellung oder Aufklärungs-Partys zur Krebsprävention, bei denen sie ihre Erfahrungen und ihre positive Energie teilt.

Ein Höhepunkt der „pinken“ Club-Geschichte steht in dieser Woche am Mittwoch (30. Oktober, ab 17.30 Uhr) bevor: Dann sind alle Interessierten zur „Ersten Talk-Show in OWL“ in der Habichtshöhe in Bielefeld eingeladen. Renommierte Ärztinnen und Ärzte informieren über das Thema Brustkrebs und stehen für Fragen zur Verfügung. Es gibt viel zu entdecken über Yoga, das Bielefelder Krankenhausprojekt „Fruchtalarm“ und weitere Angebote, die Menschen mit neuer Lebensfreude unterstützen. Ausführliche Informationen über alle Aktivitäten des Think Pink Clubs® erhalten Sie im Internet unter https://www.think-pink.club/.

 

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