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Leben in gemütlicher Gemeinschaft

Das Seniorenzentrum Röttgersbach geht neue Wege der Altenpflege

09. März 2017

Der Globus in Ingrid Wierks Händen leuchtet. Sie dreht den amerikanischen Kontinent nach vorn und sagt: „Amerika war das Größte für mich und meinen Mann. 14 Mal waren wir dort. Ich liebe New York! Ich werde nie vergessen, wie wir auf die Freiheitsstatue gestiegen sind.“

Die vielen Souvenirs dieser Reisen schmücken heute ein schönes, geräumiges Zimmer im Erdgeschoss des Seniorenzentrums Röttgersbach in Duisburg. Freiheit und Selbstbestimmtheit prägen nach wie vor das Leben von Frau Wierks und ihren Mitbewohnern. Denn das Haus bietet den Menschen Privatsphäre ebenso wie echtes Gemeinschaftsgefühl. Dazu tragen auch Möbel, Stühle und das Pflegebett Venta von Stiegelmeyer bei, die in vielen Räumen für eine wohnliche Atmosphäre sorgen.

Wohngruppen mit 12 Mitgliedern

Das Seniorenzentrum ist Teil des Evangelischen Christophoruswerks in Duisburg und wurde im Mai 2016 eröffnet. 72 Frauen und Männer leben hier in 6 gemischten Wohngruppen zusammen. Jeweils 12 Einzelzimmer sind um eine gemütliche Wohnküche herum angeordnet. Neben den Altenpflegern ist tagsüber immer eine Präsenzkraft als Ansprechpartnerin in der Gruppe. Die Präsenzkräfte unterhalten sich mit den Bewohnern über die Dinge des Alltags, backen mit ihnen Kuchen und helfen bei vielen Fragen.

„Die Küche ist dabei der zentrale Ort“, erklärt Ursula Linke vom Sozialen Dienst. „Das Hausgemeinschaftsmodell lebt davon, dass viele Angebote innerhalb der Wohngruppe stattfinden. Das fördert das soziale Miteinander, die Geborgenheit und die Sicherheit.“ Statt wie in einem Hotel in einen Speisesaal gebracht zu werden, erleben die Bewohner Alltagshandlungen wie zum Beispiel Kaffeekochen hautnah mit. Eine Aufgabe der Präsenzkräfte ist es dabei, den Alltag immer wieder in Worte zu fassen und den Bewohnern dadurch ins Bewusstsein zu bringen. Dazu genüge es oft schon zu sagen: „Oh, wir brauchen neue Milch.“ Haben die Bewohner Lust auf Bratwurst und Pommes oder möchten an einem kalten Wintertag eine heiße Hühnersuppe, werden die Wünsche in Zusammenarbeit mit Mitarbeitern des Sozialen Dienstes (Alltagsbegleitern) aufgegriffen. Gemeinsam geht es dann mit Einkaufsliste in den nahe gelegenen Supermarkt, damit man für das an schließende Kochen auch ja alles im Haus hat.

Frische Luft genießen

Neben den Wohnküchen stehen den Bewohnern bequeme Sitzgruppen und viele schöne Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien zur Verfügung. Eine Terrasse und Balkone laden dazu ein, die frische Luft zu genießen. „In unserem Demenzgarten erleben die Menschen durch Beete auf Augenhöhe mit, wie die Pflanzen im Wechsel der Jahreszeiten ihre Farben wechseln“, erklärt Uwe Stoffels, der beim Evangelischen Christophoruswerk die Öffentlichkeitsarbeit leitet.

Sobald man die in hellen, warmen Farben gestrichenen Gemeinschaftsbereiche verlässt und in die Zimmer der Bewohner tritt, wechselt man in individuelle Welten. Jeder kann hier seinen persönlichen Geschmack und seine Vorlieben einbringen.

Mathilde Kläsges sitzt an ihrem Tisch am Fenster unter einer gemütlichen, nostalgischen Stehlampe. Mit rosa Tischdecke, bestickten Kissen und bunten Tischblumen sieht der Raum piekfein aus. Frau Kläsges liest die Tageszeitung und strahlt: „Der MSV Duisburg ist Tabellenführer – wenn auch nur in der 3. Liga“, verkündet sie und erzählt, dass sie die Spiele ihres Lieblingsvereins MSV genau verfolgt und sie MSV-Legende Bernhard Dietz sogar persönlich kennt.

Rocker willkommen

Einige Türen weiter bei Rainer Lücker wird deutlich, dass langsam ein neuer Musikgeschmack in den Seniorenresidenzen Einzug hält. An der Wand hängen Kopfhörer und eine Gitarre, und auf eine Tafel hat Herr Lücker geschrieben: „Rockers are welcome!“. Wilde Musik schallt allerdings nicht durch die Wohngruppe, nur das Radio läuft dezent in der Küche. Um diese Uhrzeit am Vormittag sind viele Bewohner beim Sport. Wie läuft der Pflegealltag in den Wohngruppen ab?

„Je eine Pflegekraft betreut eine Gruppe“, erklärt Ursula Linke. Zu Tageszeiten mit höherem Pflegeaufwand werde sie durch Springer, Pflegeschüler und Praktikanten unterstützt. Den Bewohnern solle ihr persönlicher Rhythmus ermöglicht werden. „Es ist unser Ziel, eine gemütliche, familiäre Atmosphäre zu schaffen“, sagt Frau Linke. „Ab 8 Uhr gibt es Frühstück, aber die Bewohner müssen nicht um Punkt 8 da sein. So beginnt für manche Bewohner das erste Frühstück erst spät um 11 Uhr, während wiederum für andere Bewohner um diese Uhrzeit schon das zweite Frühstück ansteht. Gerne wird dann noch ein Tässchen Kaffee getrunken und dazu vielleicht noch ein halbes Stütchen gegessen." Die Leute sollen so lange schlafen können, wie sie möchten, Ausnahmen sind immer möglich. Persönliche Rituale der Bewohner würden vor dem Einzug erfragt.

Individuell verschieden sei auch die Mitwirkung von Angehörigen. Manche Verwandte seien bis zu 9 Stunden am Tag zu Besuch. „Sie arbeiten in Beiräten mit oder treten im Dezember als Nikolaus auf“, berichtet Uwe Stoffels. Einige Angehörige entwickelten zum Evangelischen Christophoruswerk eine so enge Beziehung, dass sie sich auch nach dem Tod des Bewohners weiter ehrenamtlich engagierten.

Eigene Nachwuchs- Ausbildung

Wie sieht es mit dem Pflegekräfte- Nachwuchs aus? „Wir profitieren von der Evangelischen Gesellschaft für Aus- und Fortbildung in der Pflege Rhein/Ruhr, deren Mitgesellschafter wir sind und die sich auf dem Gelände des Evangelischen Christophoruswerkes befindet.“, sagt Uwe Stoffels. „Dort lernen etwa 280 Schüler, wir haben den Nachwuchs also quasi in der Nachbarschaft.“

Manche Politiker hoffen, dass unter den Migranten der vergangenen Jahre viele neue Pflegekräfte sein könnten. Wie sieht es im Christophoruswerk mit dem Zusammentreffen verschiedener Kulturen und Sprachen aus? „Bei uns arbeiten Menschen aus 35 Nationen“, sagt Uwe Stoffels. „Das haben wir nachgezählt, als wir eine Aktion für Toleranz, Menschlichkeit und Nächstenliebe durchgeführt haben.“ Die Zusammenarbeit unter dem Dach der evangelischen Einrichtung funktioniere sehr gut.

Der Weg hinaus führt durch den liebevoll angelegten Demenzgarten. Ein erster Hauch von Frühling liegt in der Luft. Das Seniorenzentrum Röttgersbach ist ein Ort, der ein warmes Gefühl vermittelt und dem Besucher lange positiv im Gedächtnis bleibt.

Ausgabe:

FORUM 16

Kategorie:

Gesundheit & Pflege

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